city4you

Venedig – ein riesiges Freilichtmuseum

Venedig – das ist die Stadt, deren Altstadt sich in ein riesiges Freilichtmuseum entwickelt hat, in dem nur noch sehr wenige Menschen leben. Stattdessen hasten riesige Touristenhorden durch die engen Gassen, besteigen in großer Zahl die Gondeln, stürmen in die Boutiquen oder drängen sich auf der Rialtobrücke.

Die meisten Menschen jedoch halten sich auf dem Markusplatz auf – dort, vor der großartigen Kulisse aus Markusdom, Dogenpalast und Campanile schlägt das touristische Herz der Stadt. Die Cafés und Restaurants am Platz sind extrem überteuert, dennoch stets gut besucht. Vor dem Markusdom bildet sich eine schier endlos lange Schlange und auch vor dem Campanile, der einen großartigen Blick über die Stadt erlaubt, drängen sich die Besucher.

Vor allem im Sommer wird Venedig zu einer sehr lauten und stressigen Angelegenheit. Auf den Hauptgassen gibt es kaum ein Vorkommen, überall schwirren Gesprächsfetzen und andere Geräusche umher, Straßenhändler versuchen, Selfiesticks oder ähnliche Produkte zu verkaufen und dann kann es passieren, dass ein riesiges Kreuzfahrtschiff direkt am Markusplatz vorbeischippert. Wegen der Gefahr für die Bausubstanz und der Umweltverschmutzung jedoch soll dies bald nicht mehr möglich sein.

Venedig braucht seine Touristen, die Frage jedoch ist, welche Besucher man sich wünscht: Die Kreuzfahrer, die nur wenige Stunden in der Stadt verbringen, von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hasten und somit zu einer akuten Überfüllung führen, sorgen für immer mehr Ärger. Genau das ist die Krux, die sich jedem Venedig-Besucher offenbart: Die meisten Leute, die sich in der Altstadt aufhalten, tun dies nur für wenige Stunden und verschwinden dann wieder.

Doch kann man das den Leuten verdenken? Wohl kaum. Denn ganz gleich, wie überfüllt, überteuert, hektisch und laut Venedig auch immer sein mag: Ein Besuch in dieser Stadt ist ein ganz besonderes Erlebnis, das man nicht missen sollte, sofern sich die Chance ergibt. Denn wenn man einmal den Canale Grande entlangfährt und die Prachthäuser betrachtet, die an diesem Hauptwasserweg errichtet wurden, entfaltet die Stadt einen ganz eigenen Reiz. Natürlich darf ein Besuch am Markusplatz nicht fehlen; der Markusdom ist von innen prächtig anzusehen und die Wartezeit wert. Vom Campanile aus hat man einen wunderbaren Ausblick über die Lagune und die roten Dächer der Altstadt. Noch besser allerdings lässt man die Blicke vom Glockenturm der San Giorgio Maggiore-Kirche schweifen, denn von hier hat man einen wunderbaren Blick auf den Markusplatz – und da die Kirche deutlich weniger überlaufen ist, muss man auch nicht lange anstehen.

Venedig erkundet man am besten vom Wasser aus; doch wer lieber laufen möchte, kann aufs Geratewohl losmarschieren; in den engen Gässchen gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken. Sei es eine schicke Boutique oder ein gemütliches Café. Die Läden sind quer über die gesamte Altstadt verstreut, es gibt keine herausstechende Einkaufsmeile. Immer wieder öffnet sich das Gassengewirr zu einem kleinen Platz mit repräsentativen Gebäuden. Auch wenn viele der Gebäude durch den Einfluss der Gezeiten beschädigt sind, bietet Venedig unzählige Fotomotive.

Schwierig wird es bei der Suche nach einem geeigneten Restaurant. Vor allem an den touristischen Hot Spots reiht sich eine Tourifalle an die nächste; die Preise sind sehr hoch, die Qualität in den meisten Fällen eher mäßig. Allerorten stehen Kellner neben den riesigen mehrsprachigen Speisekarten von den Lokalen und versuchen die Touristen in ebendiese hineinzuquatschen. Es lohnt sich, ein wenig abseits der Hauptwege unterwegs zu sein und dort nach einer Lokalität Ausschau zu halten. In den meisten Fällen lohnt sich dies.

Holger Fischer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.